Die beiden Weltkriege in den Jahren 1914/1918 und 1939/1945 haben wie allenortes auch in unserer Pfarrei ihre Spuren hinterlassen. So waren es im ersten Weltkrieg insgesamt 47 Männer, die als Gefallene oder Vermisste von ihren Angehörigen beklagt wurden. In Vergessenheit geraten ist, dass auf Befehl der deutschen Heeresleitung im Jahr 1917 neben Orgelpfeifen und Blitzschutzanlagen auch zwei der drei Glocken abgenommen und eingeliefert werden mussten. Erst nach Ende der Inflation im Jahr 1923 gelang es, die beiden im Krieg verlorenen Glocken wieder anzuschaffen. Die feierliche Einweihung erfolgte im Jahr 1924 durch Pfarrer Frühwein und Kaplan Bank. Dass die Geistlichkeit zu jener Zeit kein leichtes Amt hatte, geht aus den Erinnerungen des Priesters Georg Bank hervor, wenn dieser berichtet:
„Ich Pfarrer Bank war vom 16. April 1924 bis 1. Juni 1925 Kaplan in Wartenfels. Jeden zweiten Sonntag ging der Kaplan nach Presseck, um die heilige Messe zu halten, ebenso jeden Mittwoch in der Woche zur Schule, über Braunersreuth oder Seubetenreuth/Kunreuth; dabei musste eine Steigung von ca. 400 auf 700 m überwunden werden … Alles wurde zu Fuß oder mit Ski, öfters auch mit Steigeisen, z.B. nach Schwand, bewältigt. Die Tagesordnung jeden zweiten Sonntag war: 5.30 Uhr Aufstehen, 6.30 Uhr Beichtehören, nach 7.30 Uhr Frühmesspredigt in Wartenfels, 9.30 Uhr in Presseck Beichtgelegenheit, Predigt, Heilige Messe, Christenlehre für Fortbildungsschüler, Kaffee, Kirchenbausitzung, Mittagessen; 14.30 Uhr bis 15 Uhr wieder in Wartenfels, 15.30 Uhr Mütterverein, 18.30 Uhr nach Reichenbach zum Burschenverein, ca. 24 Uhr in Wartenfels zu Bett. Als Artillerist vom letzten Krieg hat man das ja ausgehalten…!“
In die Wartenfelser Amtszeit des Pfarrers Frühwein fiel der Bau der katholischen Kirche “St. Petrus Canisius“ in Presseck im Jahr 1928 und die Bildung einer eigenen Tochterkirchengemeinde Presseck innerhalb der Pfarrei Wartenfels. Vor noch größere seelsorgerische Aufgaben wurde Pfarrer Frühweins Nachfolger Johann Hummel gestellt, zumal nach Kriegsende 1945 viele Heimatvertriebene nach Wartenfels gekommen waren. Auch im zweiten Weltkrieg mussten für Heereszwecke 3 Glocken des Kirchengeläutes abgenommen und abgeliefert werden. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass die historische „St.-Batholomäus-Glocke“ aus dem Jahr 1516 gerettet wurde. Sie kehrte im Jahr 1947 aus Hamburg zurück, wo sie 5 Jahre lang auf einem Sammelplatz gelegen hatte.
In der Ortschaft Reichenbach, die seit eh und je zur Pfarrei Wartenfels gehört, wurde zu Beginn des Jahres 1957 ein Kirchenbauverein gegründet, um an Stelle der vorhandenen baufälligen Kapelle eine Kirche zu bauen. Die Grundsteinlegung konnte bereits am 15. August 1957 erfolgen. Die feierliche Einweihung der neugebauten Kirche „St. Maria“ am 28. September 1958 fiel bereits in die Amtszeit von Pfarrer Franz Schäfer, der sich um den Reichenbacher Kirchenbau sehr verdient gemacht hat. Er war auch der letzte Pfarrer, der noch im alten Wartenfelser Pfarrhaus wohnte, da dieses als Pfarrerwohnung unzumutbar geworden war. Schließlich entschloss man sich, das Pfarrhaus zu verkaufen und an anderer Stelle einen Neubau zu errichten. Das alte Pfarrhaus wurde kurz darauf abgerissen und dort die heutige Metzgerei Schütz errichtet.
Ein herausragendes Ereignis stellt die völlige Umgestaltung des Wartenfelser Gotteshauses in den Jahren 1970 und 71 dar. Man wollte dadurch in erster Linie den Erfordernissen der nachkonziliaren Liturgiefeier entsprechen und der sitzplatzmäßigen Beengtheit abhelfen. Die feierliche Konsekration des Hochaltars durch Weihbischof Martin Wiesend aus Bamberg fand am 31. Oktober 1971 statt. Pfarrer Heribert Klier, dessen Name mit dem Neubau des Pfarrhauses und der Kirchenneugestaltung eng verbunden ist, schied im Jahr 1977 aus Wartenfels. Ab 1977 wirkte Pfarrer Adalbert Lachnit in unserer Pfarrei. Der beliebte Geistliche machte sich vorallem um unseren Kindergarten St. Bartholomäus verdient. Im Jahr 2007 - nach 30 Jahren segensreichen Wirkens für unsere Pfarrei, ging Pfarrer Lachnit in den Ruhestand. Doch schon bald erkrankte er schwer und verstarb im Januar 2010. Von 2007 bis August 2019 wurde unsere Pfarrei von Pater Godfryd Mizerski aus Polen betreut. Seit September 2019 wird die Pfarrei Wartenfels durch Pfarrvikar Msgr. Rüdiger Feulner seelsorgerisch betreut.